Funktionelles Training - Fitnesstrainer Wien

Funktionelles Training. Was hat es mit diesem Trend auf sich?

„Chris, was hältst du eigentlich von Functional Training?“

Funktionelles Training ist seit einiger Zeit ein neuer Trend in der Fitnessbranche. Viele kennen es jedoch nur unter dem Begriff „Functional Training“. Das liegt aber auch nur daran, dass in dieser Branche immer wieder englische Begriffe eingesetzt werden, da dies viiiiiel cooler klingt. Heutzutage macht man ja schließlich keine Kniebeugen mehr, sondern man squatet. Man geht auch nicht mehr trainieren, sondern macht sein Workout.

Alles, was nicht neu ist (und im Fitnessbereich ist selten etwas wirklich neu), muss cool klingen, damit es wieder in Mode kommt. So wie jetzt eben auch Functional Fitness. Wie bei jedem Trend, muss ich immer wieder an ein Zitat von Mark Twain denken: „Whenever you find yourself on the side of the majority, it is time to pause and reflect.” (Klingt einfach cooler auf Englisch, oder? 😉 )

Also dann reflektieren wir mal. Was genau ist dieses funktionelle Training überhaupt?

Funktionelles Training

Die Antwort ist schlicht und einfach: Keiner weiß es! Und das ist das Schöne an diesem Trend! Wie schon beim Thema Fasten, wird hier einfach der Begriff vor alles Mögliche gesetzt: Funktionelles Training mit dem Bosu-Ball, Functional Food, funktionelles Nasenbohren…

Also, was machen wir, wenn wir eine Frage haben und nicht sofort die Antwort wissen? Richtig! Wir fragen mal Google. Und, was sehen meine müden Augen gleich auf der ersten Seite? Mrs. Sporty! Wow, das interessiert mich jetzt. Also Mrs. Sporty definiert das Training so: „Funktionelles Training kann man gut und gerne mit „zweckmäßiges Training“ übersetzen. Funktionell sind Bewegungen aus unserem Lebensalltag, die sich regelmäßig wiederholen.“

Und dann kommt so ein Bild:

http://www.mrssporty.at/fileadmin/_processed_/csm_mrssporty_funktionelles_training_slider2_1fe8d52273.png

http://www.mrssporty.at/funktionales-training/

Ernsthaft?? Jedes Fitnesslevel? Und was soll das überhaupt darstellen? Ist das schon die Übung, oder bereitet sich die Dame gerade darauf vor? Wie oft hast du diese Bewegung gestern in deinem Alltag ausgeführt? Und wozu soll ich dann überhaupt trainieren, wenn ich die Bewegung im Alltag sowieso oft ausführe? Wollen sie mir hier beispielhaft aufzeigen, welche Muskeln der Mensch besitzt oder meinen sie tatsächlich, dass bei dieser „Übung“ irgendetwas trainiert wird? Ich glaube beim Schreiben dieser Zeilen trainiere ich bereits mehr, als wenn ich diese Übung ausführen würde. „Chris, ich glaube, du weichst gerade ein wenig vom Thema ab.“

Ach ja richtig, aber wann mach ich das nicht? 😉 Ich wollte hier nur demonstrieren, dass wirklich alle versuchen auf den Zug „Funktionelles Training“ aufzuspringen. Sowohl die großen Fitnessketten, als auch die Mikrostudios. Und warum? Natürlich weil es „neu“ ist und Geld bringt!

Aber jetzt mal wieder weiter im Text. Was bietet Google noch an? Wikipedia natürlich: „Funktionelles Training ist eine alltagsrelevante und sportartübergreifende Trainingsform. Sie beinhaltet komplexe Bewegungsabläufe, die mehrere Gelenke und Muskelgruppen gleichzeitig beanspruchen.“

Wenn ich jetzt jemanden bitten würde, mir eine funktionelle Übung zu nennen, würde wohl niemand mit Bizeps-Curl antworten. Aber vergleichen wir doch mal den Bizeps-Curl mit Kurzhanteln mit der Mrs. Sporty “Übung” von oben:

Brauch ich diese Bewegung im Alltag?

Mrs. Sporty: Ich könnte mir diese Bewegung vorstellen , wenn mir jemand zuruft: „Achtung, vor dir liegt Hundescheiße!“ Aber, wieso sollte ich meine Arme nach hinten heben? Naja, ich werde es beim nächsten Mal ausprobieren…

Bizeps-Curl: Jedes Mal wenn du isst, oder trinkst oder mit deinem Handy andere Menschen auf Facebook stalkst. Also oft.


 

Brauch ich diese Bewegung bei anderen Sportarten?

Mrs. Sporty: Ich könnte mir vorstellen, dass im Zirkus beim Balancieren auf einem Seil zu machen. Aber sonst? Freudentanz nach einem geschossenen Tor beim Fußball? Gilt das schon als Sport?

Bizeps-Curl: Versuch mal mit gestreckten Armen zu laufen. Mal abgesehen davon, dass es ziemlich lächerlich aussieht (schaut aber fast wie eine funktionelle Mrs. Sporty Übung aus), wirst du auch langsamer. Gute Sprinter verwenden sehr viel Armeinsatz um schneller zu werden. Und da Laufen in den meisten Sportarten benötigt wird, gewinnt auch hier wieder der Bizeps-Curl.


 

Ist es ein komplexer Bewegungsablauf?

Mrs. Sporty: Sorry, aber ein Bein aufstellen und die Arme nach hinten heben, finde ich persönlich nicht sonderlich komplex.

Bizeps-Curl: Wenn man die Arme abwechselnd beugt und streckt und dabei auch noch ein hohes Gewicht verwendet, ist das ein komplexer Vorgang. Natürlich nicht annähernd so komplex wie zum Beispiel das Reißen beim Gewichtheben. Aber definitiv komplexer, als das auf den Schuh Schauen à la Mrs. Sporty.


 

Werden mehrere Gelenke und Muskelgruppen gleichzeitig beansprucht?

Mrs. Sporty: Also beansprucht wird hier nur die Geldbörse, da man natürlich zahlen muss, um diese Bewegung ausführen zu dürfen.

Bizeps-Curl: Wenn man die Hantel Richtung Kopf führt, dann hat man auch eine Bewegung im Schultergelenk. Da bei jedem sinnvollen Training das Gewicht auch beanspruchend sein sollte, muss natürlich der komplette Rumpf (der „Core“ für die Functional Fitness-Anhänger) stabilisieren.


 

 

„Ist der Bizeps-Curl jetzt also eine funktionelle Übung?“ Ich sage JA!

Heißt das, ich soll jetzt mehr Bizeps-Curls machen?“ Ich sage NEIN! 😉

Ich will mit diesem Artikel eigentlich nur sagen, man sollte nicht allen Trends blind folgen und lieber ein bisschen nachdenken. Der (ursprüngliche) Grundgedanke des funktionellen Trainings war, dass man weg von den isolierenden Trainingsmaschinen, hin zu komplexeren Bewegungsabläufen geht. Und das finde ich auch gut so! Eine gut ausgeführte Kniebeuge mit einem hohen Gewicht ist immer besser als die „Baby-spreiz-doch-mal-die-Beine-Maschine“, die bei vielen Damen im Fitnessstudio sehr beliebt ist. Bei der Kniebeuge sind sich auch alle einig, dass sie eine funktionelle Übung ist, da sie auf jede Definition des funktionellen Trainings zutrifft.

Aber heißt das, dass ein Bodybuilder in seiner Vorbereitung nicht auf die Beinstrecker-Maschine zugreifen soll, um seine schlechter ausgeprägte Oberschenkel-Vorderseite zu verbessern? Oder die Dame mit Rückenschmerzen, die ihre Oberschenkel auf der Beinstrecker-Maschine für eine bevorstehende Knie-Operation kräftigen will?

Es gibt keine schlechten Übungen (diesen Mrs. Sporty Schwanentanz zähle ich nicht als Übung), nur schlechte Ausführung oder schlechte „Dosierung“. Auch Übungen auf Maschinen haben ihre Relevanz beim Training. Aber natürlich sollte ein gesunder Mensch häufiger und mehr Kniebeugen machen, als Bizeps-Curls (in den meisten Fitnessstudios sieht man es jedoch leider genau umgekehrt). Aber deswegen heißt es nicht, dass man nie Bizeps-Curls einbauen soll.

Meine Mama hat immer gesagt: “Iss zuerst dein Gemüse auf, dann gibt es nachher auch ein Eis!” (Aber welche Mama sagt das nicht? 😉 ). Wenn du also Lust hast, Kniebeugen auf einem Gymnastikball, einbeinige 1/4 Kniebeugen auf einem Bosuball oder 31470347 Sätze Bizepscurls zu machen, dann mach lieber zuerst soetwas:

Funktionelles Training

Ist gesünder, die Verletzungsgefahr geringer und letztendlich bringt es dir auch mehr! Wenn du danach wirklich noch Lust auf etwas Anderes hast, dann tu dir keinen Zwang an 😉

Dein Fitnesstrainer Wien,

Chris

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